Schottland war ganz außerordentlich schön. Und hilfreich. Als ich vorher geschrieben habe, dass ich hoffe, den Kopf ein bisschen freier zu bekommen, hätte ich ehrlich gesagt nicht geglaubt, dass das tatsächlich funktionieren würde. Kommt eben immer alles anders, ne?
Glasgow ist ehrlich gesagt eine Stadt nach meinem Geschmack, ich beneide Peter schon etwas darum, dort wohnen zu dürfen. Meine Erwartungen waren eigentlich andere, schließlich war ich lange an keinem Ort, der vermeintlich "westlicher" sein könnte, als der, an dem ich lebe. Aber Glasgow macht das ganz gut, hat eine gute Mischung aus Konsum, Kultur und Abgefucktheit gefunden. Vor allem die Häuser mag ich, mit ihren abbröckelnden Verzierungen, den Erkern, den zweigeteilten hohen Fenstern, den hohen Stockwerken, ihren unzähligen kleinen Schloten, ihren (hin und wieder) vermüllten Vorgärten, den schmiedeisernen Zäunen, den einsehbaren Kellern und deren tieferliegenden kleinen Vorhöfen.
Architektonisch begeistert hat mich außerdem Herr Mackintosh, in dessen Haus ich auch sofort einziehen würde. Das Mackintosh House in der Huntarian Art Gallery war auf jeden Fall einen Besuch wert: So unnütz und oberflächlich einem Inneneinrichtungen auch vorkommen mögen, die von Mackintosh sind unfassbar schön. Man traut sich gar nicht so richtig einen Fuß in die Räume zu setzen, weil man das Gefühl hat zum einen durch das Wohnzimmer von jemandem zu laufen und zum anderen das "Kunstwerk" nicht zu stären. Noch mehr gelohnt hat sich der Besuch dort, nachdem ich von einem der "Wärter" angesprochen wurde. Nach einem kurzen Vortrag über das Museum (Herr Mackintosh und seine Frau lebten eigentlich eine Straße weiter, aber das Haus gibt es nicht mehr, dafür wurde es im Museum nachgebildet - nach Fotografien und Berichten von Menschen, die einmal bei den Mackintoshs zu Besuch waren) habe ich die Frage nach meiner Herkunft mit "Nuremberg" beantwortet, was mit "ah, Nuremberg near Furth" kommentiert wurde. Es stellte sich heraus, dass der Herr aus Paisley kommt, was wiederum eine Partnerstadt von Fürth ist, was wiederum ich nicht wusste. Am schönsten am ganzen Geplauder war am Ende für mich aber glaube ich, dass ich anscheinend doch Englisch sprechen kann. Denn all die Male zuvor, die ich sprachlich mit irgendwem in Kontakt treten wollte oder musste hinterließen das unangenehme Gefühl, dass ich der Sprache nicht mächtig bin... Was aber nicht heißt, dass ich das Schottische nicht mag. Überhaupt finde ich die Schotten recht sympatisch. Wenn man das so sagen kann... mit vielen hab ich ja nicht gesprochen. Vielleicht muss ich sagen: Die, die ich kennen gelernt habe, waren sympathisch.

Ganz wunderbar ins Bild von Glasgow passen natürlich auch die vielen Cafés und Kneipen, das schöne Teehaus mit dem süßesten Chai und besten Carrot Cake...! Hach. Am herrlichsten sind aber natürlich die vielen Secondhand Läden und Antiquariate. Insofern ist es dort schon irgendwie anders als hier, es gehört glaube ich offziell zur Kultur und zum guten Geschmack, gebrauchte Dinge zu kaufen...
"Kulinarisch" bin ich im Übrigen wohl ebenfalls recht geeignet für diese Gegend. Neben reichlich vegetarischem Essen gibt's herrlichen Süßkram und zu meinen neuen Favoriten zählt auf jeden Fall Chips & Cheese. Mal ehrlich, was gibt's besseres als Pommes mit Käse drüber?! Fett mit Fett und Salz. Nur noch zu übertreffen mit Fett und Fett und Zucker. Ich würde einfach so dick werden dort (in dieser Hinsicht beneide ich Peter nicht!). Aber neben der Esserei war ich beruhigenderweise auch sehr fleißig und hab zwei Vormittage an meiner BA geschrieben.
Nachdem Peter ziemlich viel in der Uni rumhängen musste war ich auch viel allein unterwegs (was mir durchaus auch zugesagt hat). Ich bin ein bisschen durch die Stadt gestromert und hab viele Bilder gemacht, hab der St. Mungo's Cathedral einen Besuch abgestattet (die lassen da auch solche wie mich rein) und hab die dahinterliegende Nekropolis durchstreift. Ein so schöner Ort, ein saftig grüner Hügel, die Bäume im Gegenlicht, die bereits ihre Blätter abgelegt haben, die alten Grabsteine, keltischen Kreuze, Krypten und kleinen Tempel. Und das alles neben einem weitläufigen Blick über die Stadt - ein Glück, wenn an so einem Tag die Sonne scheint.
Dem Meer, der rauen Seele, hab ich auch einen Besuch abgestattet. Mit dem Zug nach Adrossan South Beach, weil's egal ist, wo man am Meer ist. Mein teuerster Fund, ein Krebspanzer, ist auf dem Heimweg aber leider kaputt gegangen. Dafür den Sand unter den Füßen, den Wind im Haar, Fisch in der Nase und Möwen im Ohr... Immer wieder erstaunlich, wie auch die eigene Seele rau wird an so einem Ort, wie sich die Gedanken verändern und man auch ganz ruhig werden kann und bei sich selbst ist.
Und weil ich immer schön aufgegessen hab gab's am letzten Tag den Sonnenschein-Sonderbonus, den ich mit Peter bei einem Ausflug in die Highlands eingelöst habe. Mit dem Bus ging's nach Tarbot bei Loch Lomond und dann im T-Shirt den nächsten Berg rauf. (Chrissi, ich vermute, die Highlands stellen sich dir immer quer, weil du deinen Teller nicht leer isst. Oder du kommst immer zur falschen Jahreszeit. Das wäre auch möglich.) Leider sind wir nicht bis ganz nach oben gekommen. Zu Peters Leidwesen mache ich nämlich 1. zu viele Fotos und 2. laufe ich ihm zu langsam. Aber der Weg ist das Ziel und der war entschieden herrlich! Die alten Bäume und das viele Moos und dann die wunderbaren Farben: Grün-, Gelb- und Brauntöne und das unter strahlend blauem Himmel. Und das Vesper schmeckt auch schon auf halber Strecke, erst recht, wenn man es auf einem Stein in einem der vielen Bäche, die bergab fließen einnimmt. Im Übrigen wieder so ein Ort, der Besitz von einem ergreift und nichts anderes zulässt als das Anwesendsein in ihm... Wir haben schließlich aber 10 Minuten zu lang gevespert und haben den Bus zurück nach Glasgow verpasst. Der nächste wäre erst fünf Stunden später gefahren. Zum Glück (herzlichen Dank an dich, Chrissi), sind wir auf die Idee gekommen zurück zu trampen, statt mit müden Füßen zu warten. Und dafür, dass das unser erstes Mal war, waren wir ziemlich erfolgreich, weil schon nach zehn Minuten jemand angehalten hat.
Jetzt bin ich also zurück und bin ganz guter Dinge. Zwar hab ich die letzten Tage nur gearbeitet, trotzdem fühle ich mich wohl und weniger träge... Und nächste Woche breche ich ja sowieso wieder auf, um Philine und Clemens zu besuchen. Schon wieder Berge, hehe... Aus Trotz muss ich aber drauf bestehen: Daheim ist's doch am schönsten.
Die vielen Bilder finden sich übrigens hier.
hai anna!
AntwortenLöschenfein fein fein, dein reisebericht!schottland ist ein feines land, das duenkte mir auch so. die naechsten male werde ich bewusst aufessen, wenn das hilft! am feinsten find ich dein strand-jacke-muetze-mummel-bild :-)
du wirst ja glatt ein berg-fan - gut zu wissen...hehe :-)
ciaosn, auf bald.
Hej moment mal! Ich habe nie gesagt, dass ich Berge nicht mag. Ich bin halt insgesamt eher ein Faultier und das ist in Bezug auf Berge eher ungünstig. Aber wenn mich niemand die Berge rauf und runter hetzt bin ich absolut begeistert.
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